Dreißig Kilometer, ein Bundesland oder einfach ein gutes Gefühl: Regional steht auf fast jeder Verpackung, nur meint jeder etwas anderes damit. Wo hört Herkunft auf und wo fängt Etikett an? Warum lehnt die Branche feste Regionalquoten fast geschlossen ab? Und hält ein regionales Lieferantennetz wirklich, wenn die Ketten reißen?
Stefan Fak spricht mit Bettina Röttig von der Lebensmittel Praxis, die den Regional-Star in Berlin organisiert und moderiert hat, und mit Vanessa Schmelcher, die bei Kaufland den Einkauf Regionalität verantwortet und in der Jury saß. Zwei Perspektiven auf dasselbe Wort: die Beobachterin, die jedes Jahr Dutzende Konzepte nebeneinander sieht, und die Einkäuferin, die Regionalität in Prozesse, Mengen und Regalmeter übersetzen muss.
Kaufland zieht eine harte Linie: dreißig Kilometer Umkreis um die Filiale, dort produziert, verarbeitet oder veredelt. Erst dann gibt es das Regio-Herz aufs Etikett, samt Herstellungsort. Rund 2.000 regionale Lieferanten und 25.000 Artikel hängen an dieser Definition. Bettina Röttig zeigt, wie breit das Feld daneben ist: Manche Konzepte denken in zehn Kilometern um den Kirchturm, andere in zweihundert. Rechtlich geschützt ist der Begriff nicht.
Im zweiten Teil wird es härter. In den Krisenjahren hat Regionalität die Seite gewechselt, vom Gefühlsthema zur Frage der Versorgungssicherheit. Vanessa Schmelcher erzählt, wie regionale Nudelhersteller einsprangen, als die großen Lieferanten während der Pandemie nicht mehr lieferten. Bettina Röttig ordnet ein, warum das Thema inzwischen bis aufs Podium mit dem Bundeslandwirtschaftsminister gewandert ist, wo Quoten scheitern und weshalb Bürokratieabbau die lauteste Forderung der Branche bleibt.
Dazu Zahlen: 68 Prozent bevorzugen regional, jeder Zweite zahlt dafür mehr. Wichtigster Kaufgrund ist laut Kauflands Regio-Index weder Klimaschutz noch Frische, sondern die Unterstützung der Betriebe vor Ort. Was das für kleine Erzeuger bedeutet, die den Listungsprozess einer bundesweiten Kette durchlaufen, sagt Vanessa Schmelcher offen: Es muss für beide Seiten wirtschaftlich sein, sonst gibt es den Partner in zwei Jahren nicht mehr.
Zum Schluss der Blick nach vorn: Kommt das eigene Regionalregal? Was macht die EmpCo-Richtlinie mit der Kommunikation von Herkunft? Und warum zeigt ausgerechnet ein Händler in Vorarlberg direkt auf dem Kassenbon, wie viel Region im Einkaufswagen liegt?
Eine Folge über Nähe, Vertrauen und die Frage, wie viel Region im Regal überhaupt möglich ist.
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