Veganes Essen ist längst kein Nischenthema mehr – es liegt im Discounter, in der Kantine, auf jeder zweiten Speisekarte. Und trotzdem wird gerade vieles unübersichtlicher: Wer darf eigentlich „vegan“ auf die Packung schreiben? Wie viel Vertrauen verdient ein Siegel, das kaum jemand vor Ort prüft? Und wie hält eine gemeinnützige Organisation ihre kritische Stimme, wenn sie mit McDonald’s und Lidl zusammenarbeitet?
Darüber spreche ich mit Albrecht Wolfmeyer, Leiter Strategie bei ProVeg Deutschland und langjähriger Direktor des ProVeg-Inkubators. ProVeg ist eine der einflussreichsten gemeinnützigen Ernährungsorganisationen weltweit – aktiv in vierzehn Ländern, mit eigenem V-Label, einem Förderprogramm für Food-Startups und direktem Draht zu Konzernen, Investoren und Politik. Albrecht kennt diese Welt von innen, und er sagt einige Dinge, die man so nicht überall hört.
Die große Frage, um die alles kreist: Wie schafft pflanzliche Ernährung den Sprung von der Bubble in den Massenmarkt? Albrecht erklärt, warum Deutschland heute der weltweit führende Markt für pflanzliche Produkte ist, während andere Länder stagnieren. Wir reden über das V-Label und darüber, wie viel Vertrauen so ein Siegel wirklich verdient. Über die Debatte „vegan“ gegen „pflanzlich“ und die Reaktanz, die das Wort bei manchen auslöst.
Es geht um Preisparität im Discounter und die harte Konsolidierung bei den Fleischalternativen – und darum, warum so viele Startups an Novel-Food-Regulierung, langem Atem und Produkten scheitern, die geschmacklich schlicht noch nicht überzeugen.
Es wird auch unbequem: Warum setzt ProVeg auf Pragmatismus statt Ideologie? Und lässt sich das Image von Veganismus überhaupt drehen, wenn das Wort bei vielen sofort Widerstand auslöst?
Zum Schluss schauen wir nach vorn: auf Milchproteine aus Präzisionsfermentation, auf kultiviertes Fleisch, auf Fischalternativen, die noch viel Arbeit brauchen – und auf die Frage, welche Kategorie in fünf Jahren so selbstverständlich im Regal steht wie heute die Hafermilch. Dazu Wolfmeyers Blick auf die Proteinwende, die Landwirtschaft und die New Food Conference im August in Berlin.
Eine Folge über einen Markt im Erwachsenwerden – und über die Menschen, die entscheiden, was morgen auf unseren Tellern landet.